Wenn keiner weiß, dass sie überhaupt suchen

Ich kann es ehrlich gesagt wirklich nicht mehr hören und deshalb muss das jetzt raus. Seit Jahren klagt der Tourismus und insbesondere die Hotellerie über zu wenige Bewerber. Anlässlich des heutigen Tages der offenen Hoteltür wird unter anderen auf ORF on berichtet (link zum Artikel), dass die Branche ein schlechtes Image hat. Viele Ursachen liegen jenseits von Arbeitszeiten & Co und wären auch relativ einfach zu lösen.

Gehen Sie einmal auf die Webseiten der im obigen Artikel angeführten Hotels und versuchen Sie, ein Jobinserat zu finden. Schwierig bis unmöglich und das in einer Branche, die tolle Möglichkeiten hätte. Aber wenn ich niemand erzähle, dass ich überhaupt suche warum wundere ich mich dann, dass sich niemand bewirbt? Natürlich steht das Produkt im Vordergrund, aber das ist keine entweder/oder Option. Warum findet man keine Jobangebote auf Hotelseiten? (Natürlich gibt es positive Ausnahmen)

Der Tag der offenen Hoteltür ist einmal im Jahr, von Oktober bis zum Halbjahreszeugnis müssen sich Eltern und Bewerber merken, dass es im Hotel cool war. Weil rund um das Halbjahreszeugnis fällt oft die Entscheidung für eine Lehre.

Gut, dass es Werkzeuge gibt mit denen man Jugendliche das ganze Jahr erreicht. Wie whatchado, das Video-Handbuch der Lebensgeschichten. Findet man dort Hotels? Eine einzige Hotelkette und das ist ausgerechnet jene, die selten klagt. Video wäre aber ein Medium, mit dem ich Jugendlichen Einblick in den Alltag geben kann. Die Brettspiele der SCHOOLGAMES werden an über 1.000 Schulen im Unterricht eingesetzt, findet sich auf dem Spielfeld ein Hotel? Fehlanzeige, bisher war eine solche Maßnahme noch jeder Hotelkette zu teuer. Die klassische Variante für die Suche wären Lehrstellenbörsen. Suchen Sie auf lehrberuf.info mal nach dem Berufsfeld Hotelgewerbe/Gastgewerbe. Ja, es gibt Stellen als Koch – bei Kika/Leiner! Auch hier finden Sie kaum ein Hotel, warum nicht?

Die Lösungen wären viel einfacher, als sich über ein abstraktes „wir müssen unser Image stärken“. Wenn Sie in dieser Branche arbeiten und es wirklich ernst meinen mit „wir wollen mehr und bessere Bewerber“:

  • Bauen Sie auf Ihrer Homepage einen leicht zu findenden „wir bilden aus“ Button ein
  • Ermöglichen Sie die Kontaktaufnahme mit einem realen Menschen in der Personalabteilung
  • Zeigen Sie zumindest einige Ihrer besten Mitarbeiter
  • Nutzen Sie vorhandene Möglichkeiten, um Ihre Zielgruppe zu erreichen
  • Überzeugen Sie Ihr Marketing, dass die Buchung von Zimmern sinnlos sein wird, wenn Sie kein Personal mehr haben
  • Denken Sie mit Ihrem Marketing darüber nach, wie man eine Zielgruppe definiert und diese dann auch erreicht

Ich wünsche Ihnen im Sinne vieler Jugendlicher, die eine Aufgabe suchen aber nicht wissen, dass SIE eine hätten, dass wir gemeinsam ins Tun kommen. Für die Qualität von Kommunikation ist immer der Sender verantwortlich, nie der Empfänger. Nachzulesen bei Paul Watzlawick oder Vera Birkenbiehl.